Meisterkonzerte in Göppingen
Sol Gabetta
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© 2011 Meisterkonzerte in Göppingen

Leidenschaftliche Klarheit

Göppingen. Ein Weltstar hatte sich angesagt. Und die Musikfreunde von nah und fern kamen erwartungsfroh zuhauf, in der ausverkauften Göppinger Stadthalle die junge Cellistin Sol Gabetta live zu erleben.

Das Konzert der aus Argentinien gebürtigen, in der Schweiz lebenden Echo-Klassik-Preisträgerin geriet denn auch - man konnte sich dessen aufgrund der in verschiedensten Medien gewonnenen Eindrücke sicher sein - nicht nur zum ungetrübten Hörgenuss, sondern tatsächlich zum Erlebnis durch das sich bei ihr einstellende Zusammenwirken von intuitiver Musikalität, interpretatorischer Intensität und spielerischer Brillanz. Diese Vorzüge waren noch eingebunden in eine ganz selbstverständlich sich ereignende Natürlichkeit des Vortrags, dem man in seiner stets stimmigen Ausdrucksvielfalt den Willen zum vollendet Kunstvollen nur selten anmerkte. Begegnete man ihm dennoch hier und da, so vergaß man ihn gleich wieder wegen immer neuer, so nicht geahnter, aus durchdachter Emotionalität und kontrollierter Leidenschaftlichkeit sich fügender Impressionen, die der Musik weitere Dimensionen, seien sie nun klangzauberischer (wie bei Debussy) oder einfach herzhaft spielfreudiger Art (wie bei Mendelssohn) hinzugewannen.

Allein hätte Sol Gabetta solches an diesem gewiss denkwürdigen Abend nicht vermocht, wohl aber im Verein mit dem gleichfalls jungen französischen Pianisten Bertrand Chamayou, über den das Programm, aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, kein Wort verlor - ein etwas unwürdiger und die interpretatorische Gewichtung eigenwillig vorwegnehmender Vorgang. Der aus Toulouse stammende Pianist erwies sich - wie sollte es auch anders sein bei einem Instrumentalisten, den sich eine Sol Gabetta zum musikalischen Mitstreiter gewählt hat? - nicht nur als ein zuverlässiger Begleiter, sondern als durchaus mitgestaltender Partner, auch wenn er auf der Suche nach einem eigenen interpretatorischen Profil, das er sich von vornherein durch sein perfektes und an persönlichen Akzenten reiches Musizieren geschaffen hatte, dynamisch dann und wann übers Ziel hinausschoss und das filigrane Spiel der Cellistin ins Unhörbare rückte.

Von dieser Einschränkung abgesehen konturierten die beiden stilsicher und -gewandt agierenden Solisten in beispielhaftem interpretatorischen und spielerischen Einklang Beethovens frühe g-Moll-Sonate op. 5,2 mit fester, von Energie vibrierender Hand, ohne darüber die ausdrucksvolle Kantabilität im eröffnenden Adagio oder die gelöste Heiterkeit im finalen Rondo zu vernachlässigen. In Debussys d-Moll-Sonate wussten sie die flirrende Klangmagie ebenso in feinste Nuancen zu fassen wie deren rhythmisch nervöse Vielfalt. Und die oft mit "klassizistischer Glätte" abgetane Musik Mendelssohns (Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58) grundierten sie bei größter formaler Klarheit mit einer bald zu tief empfundener Nachdenklichkeit, bald zu spielerischer Ausgelassenheit tendierenden Ausdrucksvielfalt, die stets von Kraft und Leidenschaftlichkeit sprach im Idiom instrumentaler Brillanz.

Dieser ließ das Duo in Servais "Fantaisie sur deux Airs russes" op. 13 so recht mit viel Temperament die Zügel schießen, sodass dieses musikalisch nicht eben gehaltvolle Werkchen zum vom Publikum mit finalem Begeisterungsjubel bedachten Bravourstück geriet, dem drei nicht weniger gefeierte, am Ende mit stehenden Ovationen bedachte Zugaben von Schostakowitsch, Ernest Bloch und Ginastera folgten