Meisterkonzerte in Göppingen
Schubert Oktett
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© 2011 Meisterkonzerte in Göppingen

Schubert Oktett

NWZ Februar 2011

Klarheit und Klangraffinesse

Göppingen. Mit seinem Programm "Aphoristische Kürze - Himmlische Längen" war am Dienstag das Schubert Oktett im Rahmen der Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler beim Kulturkreis Göppingen zu Gast.

Mochte die nicht alltägliche Vortragsfolge, die in ihrem ersten Teil Komponisten des zurückliegenden Säkulums vorbehalten war, manchen von einem Besuch des Konzerts abgehalten haben, war es doch in der Kombination mit Schuberts dem Ensemble seinen Namen leihenden Oktett ausgesprochen reizvoll; zumal Gottfried von Einems Bläsertrio, die drei Sätze aus Hans Frybas Suite für Kontrabass solo und Anton Weberns Fünf Sätze für Streichquartett der Formation die Möglichkeit boten, sich zunächst in unterschiedlichen Besetzungen vorzustellen.

Zum ersten gab sich von Einems Serenade "Von der Ratte, vom Biber und vom Bären" op. 84 mit ihrem illustrativen Streifzug durch die Tierwelt handzahm: Die Ratte war in Klangfarbe und gemächlicher Gangart zuvorderst der Klarinette (Markus Krusche), der Biber als ebenso fleißiger wie verspielter Wassernager dem Horn (Christoph Ess), der Bär in bald drehend-tapsiger, bald tänzerisch ausgreifender Schrittfolge dem Fagott (Daniel Mohrmann) zugeordnet - solistische Vorgaben, welche die drei Musiker nutzten, ihr instrumentales Können mit Bravour auszustellen, um mit Präzision und frappierender Klangvielfalt zu überzeugen.

Den drei Bläsern stand im Bemühen um spielerische Virtuosität und nuanciertes Kolorit Alexandra Hengstebeck in Frybas drei Sätzen aus seiner "Suite im alten Stil für Kontrabass allein" in nichts nach. Die Musikerin meisterte die nicht nur mit ihren Titeln "Prélude", "Allemande" und "Gigue" explizit, sondern auch stilistisch auf barocke Vorbilder Bezug nehmenden Stücke mit instrumentaler Brillanz und gestalterischem Geschmack.

Vollends für sich einnehmen konnten die vier Mitglieder des Amaryllis Quartetts (Gustav Frielinghaus und Lena Wirth, Violinen; Lena Eckels, Viola; Yves Sandoz, Cello) mit Weberns mittlerweile zu konzertanten Klassikern arrivierten Fünf Sätzen für Streichquartett op. 5, deren nicht auf formale Entwicklung, sondern auf momentan stärksten Ausdruck gerichtete, in aphoristischer Kürze sich verlautbarenden Intentionen die Musiker mit sensibelsten Klangfärbungen und das dynamische Spektrum mit berückenden Abschattierungen darstellten.

All diese einzeln oder im kleinen Kreis demonstrierte Gestaltungskunst gipfelte jedoch in der Wiedergabe von Schuberts F-Dur-Oktett D 803. In dem Ausnahmewerk, das den Komponisten trotz der einen oder anderen biedermeierlichen Anwandlung sicheren Schritts auf dem Weg zur großen Sinfonie zeigt, bewies das Ensemble nachdrücklich sein spielerisches und vor allem sein interpretatorisches Können. Der erste Satz, der noch etwas durch ein akustisches Ungleichgewicht zwischen Bläsern und Streichern irritierte, hatte bei klarer formaler Durchsichtigkeit energischen Zugriff, das Adagio, in dem klangbildlich alles im Lot war, schön konturierte Gesanglichkeit, das Allegro vivace instrumentalen Biss, der Variationssatz sensibel ausgespielte Charakteristika, das Menuett fast träumerischen Duktus, der Finalsatz aufwühlende Dramatik - eine große Interpretation, die den begeisterten Schlussbeifall verdient hatte.