Meisterkonzerte in Göppingen
Christian Muthspiel Trio
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© 2011 Meisterkonzerte in Göppingen

Ebenso frei wie respektvoll

Hans Herdeg NWZ 21.10.10

Göppingen.  Mit der Verpflichtung des Christian Muthspiel Trios wagte der Kulturkreis in seiner sonst der Klassik vorbehaltenen Konzertreihe ein Experiment, das trotz seines andersgearteten Charakters auf Zustimmung stieß.

Der Abend, der unter dem Titel "Dancing Dowland" den Gemeinsamkeiten der Musik der Renaissance und des Jazz nachspüren wollte, stand zunächst nach den Worten von Christian Muthspiel, der ebenso einfühlsam wie informativ durch das Konzert führte, unter keinem günstigen Stern: Durch die Erkrankung des Bassisten Georg Breinschmid reduzierte sich die Besetzung auf ein Duo. Und selbst dessen Einsatz war noch gefährdet durch die anhaltenden Streiks unserer gallischen Nachbarn. Doch, der SNCF sei Dank, verkehrte wenigstens noch der TGV zwischen Paris und Stuttgart, so dass der französische Vibraphonist Franck Tortiller rechtzeitig zum geplanten Auftritt in Göppingen eintreffen und die Begegnung zwischen Lautenmusik der Renaissance und zeitgenössischem Jazz stattfinden konnte.

Auch wenn die vom Ensemble angestrebte "Verbindung von improvisierter mit komponierter Musik", von "der Kraft des Moments mit den formalen Möglichkeiten von Vorgefertigtem" nicht jedermanns Geschmack traf, so konnte doch keiner der Zuhörer dem engagierten und technisch überzeugenden Spiel der beiden Instrumentalisten die Anerkennung versagen: etwa den vielfachen, mit größter Souveränität in Szene gesetzten Aktivitäten des Pianisten und Posaunisten Christian Muthspiel. Der verwandelte etwa in seinen Arrangements von Dowlands "Lachrimae, or Seaven Teares", die er kompositorisch weiterdachte oder musikalisch umdeutete, den Flügel durch allerlei Präparationen in ein Zupf- und Percussioninstrument. Oder er demonstrierte, die Posaune handhabend, virtuos die unterschiedlichsten Artikulationsweisen des Instruments vom volltönenden Sound über gedackte und gestopfte Klänge bis zum irritierenden Geräusch, spielte durch elektro-akustische Hilfestellungen mit sich selbst oder zauberte mit verschiedenen Blockflöten in kanonischer Manier ein kontrapunktisches Geflecht.

Franck Tortiller war ihm bei diesem Unterfangen, Dowlands Musik in ein zeitgemäßes, nach modernen Schnittmustern gefertigtes Klanggewand zu kleiden, ein kongenialer Partner. Dem Vibraphon entlockte er feinst nuancierte Töne, die er vokaliter nicht immer schön, doch höchst engagiert begleitete. Die beiden Instrumentalisten, die noch mit zwei Stücken österreichischer Jazzer eins draufsetzten und sich mit einer meditativen Improvisation verabschiedeten, verstanden sich prächtig in ihren freien, doch respektvollen Ausdeutungen Dowlandscher Musik und bereiteten den Zuhörern einen zum Nachdenken wie zum Schmunzeln anregenden Abend.